Generalversammlung 2006: Thema Netz-Natur-pur

In diesem Jahr feierte der VVM sein 60-jähriges Bestehen. Um dem Anlass gerecht zu werden, konnten wir Dr. August Schläfli, den ehemaligen Konservator des Naturmuseums Frauenfeld, für eine sehr interessante Führung zum Naturschutzgebiet im Halinger Tobel gewinnen. Um 11.00Uhr besammelten wir uns auf dem Parkplatz bei der Kath. Kirche. Als etwa 60 Personen starke Wandergruppe marschieren wir an diesem wunderbar sonnigen, warmen Tag los. Wir folgten dem Thunbach, der in natürlichem Verlauf mäandrierend munter talwärts fliesst. Ahorn, Eschen und Ulmen bilden die Uferbewachsung. Über uns sangen die Vögel und die Sonnenstrahlen tanzten zwischen dem Laub. Eine Nass-Trockenwiese im Wald sei unser Ziel. Bis dorthin gab es manches zu entdecken, und es fielen uns Dinge auf, an denen wir sonst achtlos vorbeigegangen wären. Oder hätten sie gewusst, dass die Blüten des Schneeballstrauches mit Werbetricks funktionieren, echte Schmarotzer bleich sind (Efeu gehört nicht dazu, es braucht den Baum nur als Kletterhilfe) man vor dem schwarzen Holunder den Hut ziehen soll (kommt aus einer Zeit, wo die Pharmaindustrie noch keine Riesengewinne schrieb) und Insekten wie Gallwespen richtige Gentechnologen sind? Wir bemerkten, dass es Reihenfolgen im Uferbewuchs gibt, dass die Buchen nicht gerne nasse Füsse haben und deshalb erst etwas im Abstand zum Bach vorkommen. Beinahe hätten wir ein Fettblatt überrannt. Wir erfuhren, dass diese unscheinbare Pflanze ein Fleischfresser ist. Dann begegneten wir Fremdlingen , z.B. dem Drüsigen Springkraut, welches ca.1920 aus dem Himalaya zu uns kam. Plötzlich ist es ganz logisch, dass ein Quellhang aus einer Schichtung von Sandstein und Mergelfels ( Leberfels) besteht. Schichtquellen mit ihrer typischen Flora aus Schachtelhalm, Sumpfbinse und Springkraut erkannten wir als vertrauten Anblick. Nach diesem interessanten und kurzweiligen Marsch erreichten wir schliesslich eine kleine, verträumte Waldlichtung. Ein Quellsumpf mit seinen Tuffschichten, wo Mädesüss , Knotenbinsen, Wollgräser, Kuckuckslichtnelken und vieles mehr spriessen. Es sei eine etablierte Pflanzengemeinschaft und heisse in der Fachsprache: Kopfbinsenried, erklärte uns Herr Schläfli. Nun ja, für uns war es in erster Linie schön und interessant, zu erleben, wie die Geburtsstätten eines Baches aussehen können, wie wunderbar vielfältig die Natur ist, und wie spannend es ist, wenn einem jemand all diese Eigenschaften grad so vor Ort näher bringen kann. Nachdem uns Herr Schläfli noch auf einige Fragen kompetente Antworten gegeben hatte, bedankte sich unser Präsident Kurt Blank bei ihm und überreichte ihm einen schön gefüllten Thurgauer Geschenkharass. Unser Wissensdurst war inzwischen dem echten Durst gewichen und wir konnten bei Peter Neuwilers Waldgrillstübli Getränke Wurst und Brot beziehen. Nach ausreichender Verpflegung und vielen fröhlichen Gesprächen hielten wir noch den geschäftlichen Teil der Jahresversammlung ab und machten uns, voll mit schönen Eindrücken, um ca. 16.00 Uhr auf den Heimweg.